2016 625 Jahre Zeischa  

Nach dem Schulneubau im Jahr 1904 in Zeischa kam auch der Wunsch nach einer Schulglocke auf, die die Kinder zum Unterricht rief. Die knappe Gemeindekasse ließ dieses aber noch nicht zu. Der Besitzer der Zeischaer Kieswerke Herr Weiland, welcher auch einen erheblichen Anteil an der Finanzierung des Schulbaus hatte, stellte der Gemeinde als Geschenk die Beschaffung einer Glocke in Aussicht.

Verschiedene Ausgaben des „Liebenwerdaer Kreisblattes“ aus dem Jahr 1907 dokumentieren, dass in der Zeit von März bis Juli 1907 der Bau des Glockenturmes vonstatten ging.

Liebenwerdaer Kreisblatt,
Dienstag den 21. März 1907

Bekanntmachung.

Die Arbeiten mit Lieferung sämtlicher Baustoffe zum Neubau eines massiven Glockenturmes in Zeischa b. Liebenwerda sollen vergeben werden.
Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis Montag den 25. März 1907 dem Unterzeichneten postfrei einzureichen.
Die Öffnung der Offerten findet Dienstag den 26. März 1907 Nachmittags 7 Uhr in der Wohnung des Unterzeichneten statt.
Die der Vergebung zugrunde liegende Zeichnung liegt dortselbst zur Einsicht aus; auch können Anschläge gegen postfreie Einsendung von Mk. 1,- von dort bezogen werden.
Die Unternehmer bleiben 8 Tage, vom Terminstage an gerechnet, an ihr Angebot gebunden.
Zeischa, den 20. März 1907.
Krause, Gemeindevorsteher.

Liebenwerdaer Kreisblatt

vom Donnerstag den 27. Juni 1907
Aus dem Kreise. Zeischa, 25. Juni

Nachdem am vergangenen Sonnabend die Spitze auf dem hiesigen Glockenturm angebracht ist, wurde heute an derselben noch eine von dem Bauunternehmer Herrn Paul Müller der Gemeinde geschenkte Wetterfahne befestigt. Die übrigen Arbeiten am Glockenturm werden in nächster Woche vollendet werden, so dass dessen Einweihung baldigst stattfinden wird.

Liebenwerdaer Kreisblatt

Liebenwerda, 13. Juli 1907

Zeischa. Sonntag den 14. d, Mts. Nachmittags 3 Uhr findet die E i n w e i h u n g der neuen
S c h u l - G l o c k e statt. Die Festrede bei der Weihe wird von Herrn Diakonus Lemke gehalten.
Der Gemeindevorstand.

Das Läuten der Glocke rief aber nicht nur die Kinder in die Schule. Hochwassergefahr, Feueralarm, Todesfälle oder andere Ereignisse wurden damit allen Einwohnern angezeigt.
Zu DDR-Zeiten diente der Glockenturm verschiedenen Zwecken: es wurden Sandsäcke zum Hochwasserschutz bevorratet und Altpapier aus Sammlungen der „Jungen Pioniere“ gelagert.
Links neben der Eingangstür wurden Hochzeitsaufgebote ausgehangen und rechts Gemeindenachrichten bekannt gegeben. So wies ein Aushang daraufhin, welche Einwohner auf den Äckern zum Kartoffelkäfer ablesen eingeteilt wurden.

100 Jahre Glocktenturm Mit einem dicken Seil, per Hand und Muskelkraft, wurde die 6 Zentner (300 kg) schwere Glocke bis 1996 von verschiedenen Zeischaer Bürgern geläutet.
Eine alte Holztreppe führte zum Glockenstuhl hinauf, die 1998 durch eine Stahltreppe ersetzt wurde. Im September desselben Jahres wurde das Dach mit Schiefer neu gedeckt und seitdem ist unser Turm 13,50 Meter hoch.
Auch das beschwerliche manuelle Läuten sollte modernisiert werden. Also bemühte sich der Heimatverein Zeischa um neue Töne aus dem Glockenturm.
Die Firma Weiland übernahm den entscheidenden finanziellen Anteil am elektrischen Läutwerk, das am 13. Dezember 1998 eingeweiht wurde.
Seitdem erklingt unsere Glocke täglich 12.00 Uhr und 18.00 Uhr und zu besonderen Anlässen.
Im Jahr 2007 war für unseren Glockenturm 100jähriges Jubiläum. Der Heimatverein Zeischa organisierte dafür mit einem Tag der offenen Tür eine kleine Ausstellung im Turm. Zu sehen waren Bilder von den Kindern der Kneipp-Kita Zeischa und gesammeltes Material über die Geschichte unseres Glockenturms.

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